Schiller in Bauerbach

Ein Dichter-Asyl.
Mit Benutzung neuer Mittheilungen des Herrn Archidiaconus A. W. Müller in Meiningen, von A. Diezmann.

An einem der ersten Tage des Dezember 1782 kam ein Reisender mit dem Postwagen in Meiningen an und erkundigte sich danach einem Dorfe. Man sagte ihm, dass es zwei Stunden südlich von der Stadt liege, und zeigte ihm den dahin führenden Weg. Auf diesem schritt er alsbald rasch dahin, weil es schon ziemlich spät war, wohl auch um sich zu erwärmen, denn es hatte tüchtig gefroren und der Schnee lag hoch auf den Bergen und in den Tälern, der Wanderer aber war nur mit einem gestreiften dunkelgrünen Sommerrocke, mit leichten gelben Beinkleidern, Strümpfen und Schuhen bekleidet. Auf dem Kopfe, an dem sich vorn zu beiden Seiten der Stirn große steife Locken, hinten aber ein langer Zopf befanden, trug er einen kleinen dreieckigen Hut. Übrigens war er noch jung, von hoher, schlanker Gestalt, sah aber leidend und ernst aus. Das Glück hatte ihn offenbar nicht begünstigt, denn er führte neben seiner ungenügenden Kleidung nur noch einen schmächtigen Mantelsack bei sich. Als er das Dorf Maßfeld erreicht hatte, erkundigte er sich nochmals nach dem Ziele seiner Wanderung, denn nun begann es bereits zu dunkeln, und der Weg lief nach einem Walde zu. Am Fuße der Eulskoppe trat der Wanderer aus dem Walde wieder heraus und unfern vor ihm begannen Lichter aus den kleinen Fenstern der Häuser eines Dörfchens zu schimmern. An dem ersten dieser Häuser fragte er, ob er in Bauerbach sei, und auf die bejahende Antwort ließ er sich zu dem Gutsverwalter Voigt führen, der zugleich wohlbestallter Schulmeister war, und in dessen Stübchen er mit den Worten trat:

„Ich bin Dr. Ritter und bringe Briefe von der Herrschaft.“

„So heiße ich Sie willkommen, Herr Doktor. Wir erwarteten Sie, denn die gnädige Frau hat Sie bereits angemeldet und uns empfohlen. Kommen Sie! Drüben im Herrenhause ist ein Stübchen für Sie eingerichtet. Ihr Bett steht bereit, und einheizen ließ ich auch.“

Und der Mann ging mit dem Fremden nach dem sogenannten Herrenhause, in dessen Hofe die Knechte und Mägde zusammenliefen, um den erwarteten Unbekannten zu mustern, geleitete ihn mit Licht die Treppe hinauf und in ein niedriges Stübchen, das behaglich durchwärmt war.

„Nun machen Sie es sich bequem,“ sagte der Verwalter im Fortgehen. „Ich werde für Abendessen sorgen.“

Mit einem tiefen Seufzer sank der Fremde in den Lehnstuhl, und überließ sich Gedanken, wie sie ein – Flüchtling haben mag, der wenigstens für einige Zeit eine sichere Stätte gefunden zu haben glaubt; denn ein Flüchtling mit falschem Namen war der einsame Wanderer, den wir mitten im Winter in dem abgelegenen Walddorfe Bauerbach ankommen sahen, – der damals dreiundzwanzigjährige Dichter der „Räuber“, Friedrich Schiller.

Er war bekanntlich am 18. Sept. 1782 aus Stuttgart wegen der Verfolgung, die ihm seine „Räuber“ zugezogen, und weil ihm der Herzog untersagt hatte, ein anderes Theaterstück zu schreiben, nach Mannheim entflohen, wo sein Erstlingswerk so großen Beifall gefunden und wo er sich von seinem „Fiesco“ noch viel mehr versprach. Aber diese Hoffnung erfüllte sich nicht. Nachdem man ihn lange hingehalten hatte, gab man ihm seinen „Fiesco“ als unbrauchbar zurück. Seine geringen Geldmittel waren aufgezehrt, ohne dass sich eine Aussicht auf die Erwerbung neuer zeigen wollte. Es blieb ihm also in seiner Not nichts übrig – zumal er fürchtete, [732] sein Herzog werde ihn verfolgen und fangen lassen – als weiter zu fliehen, und deshalb von dem Anerbieten einer edlen Frau, der Mutter seines ehemaligen Mitschülers Wilhelm v. Wolzogen, Gebrauch zu machen, die schon von seiner Flucht aus Stuttgart benachrichtiget gewesen war, und ihm damals für den Notfall ihr Dorf Bauerbach bei Meiningen als Zufluchtsstätte zur Verfügung gestellt hatte, obgleich sie fürchten musste, den Herzog zu erzürnen, wenn er Nachricht davon erhalte, da vier ihrer Söhne sich auf der Karlsschule befanden, und sie selbst deswegen meist in Stuttgart wohnte. Er erinnerte sie jetzt in der Tat an ihr Versprechen, und sie ließ alsbald, wie wir gesehen haben, Vorbereitungen zu seiner Aufnahme treffen, meldete ihm auch, dass sie selbst zu Neujahr auf einige Tage nach Bauerbach kommen werde. Um wenigstens die Mittel für die in damaliger Zeit gar nicht unbedeutende Reise zu erlangen (man fuhr von Frankfurt a. M. nach Meiningen 45 Stunden), überließ er dem Buchhändler Schwan in Mannheim seinen „Fiesco“ für ein Honorar von 10 Louisd’or.

Seine glückliche Ankunft meldete er bald nach derselben seinen Freunden in Mannheim und Stuttgart. War es ihm doch zu Mute „wie einem Schiffbrüchigen, der sich aus den Wogen gekämpft hat“. „Das Haus meiner Wolzogen ist ein recht hübsches und artiges Gebäude, wo ich die Stadt gar nicht vermisse. Ich habe alle Bequemlichkeit, Kost, Bedienung, Wäsche, Feuerung, und alle diese Sachen werden mir von den Leuten des Dorfes auf das Vollkommenste und Willigste besorgt.“

Ruhig und sicher durfte er sich allerdings fühlen, denn er befand sich auf reichsritterschaftlichem Boden, wo die Polizei eines Herzogs von Württemberg nichts vermochte, abgesehen davon aber war der Aufenthalt nichts weniger als angenehm. Die von Hügeln, Wald und Wiesentälern durchzogene Gegend gewährte zwar einen freundlichen Anblick, aber sie war rau und ziemlich unfruchtbar. Das Dorf mit den meist kleinen Häusern hatte, wie die fast sämtlich von dem herrschaftlichen Gute abhängigen Bewohner ein ärmliches Aussehen. Das sogenannte Herrenhaus selbst war sonst das ansehnlichste Bauernhaus gewesen, erst vor kurzem von der Gönnerin Schillers, der Witwe des geh. Legationsrates Ludw. v. Wolzogen, angekauft und soweit wohnlich eingerichtet worden, dass sie einige Tage darin sich aufhalten konnte, wenn die Verwaltung des Gutes, die sie als Vormünderin ihrer Kinder zu führen hatte, ihre Anwesenheit erforderte. Es steht heute noch ziemlich unverändert und bildet einen langen, schmalen Bau mit der Giebelseite[1] der Dorfstraße zugewendet, die noch im Anfange des jetzigen Jahrhunderts fast das ganze Jahr hindurch grundlos und kaum passierbar war. Die Hauptlangseite sieht in den Hof, die Rückseite nach dem Garten des Nachbars. Hinter dem Hause befinden sich Scheuer und Ställe. Ein großer Garten fehlt nicht und in dem nördlichen Theile desselben steht eine Laube, in welcher Schiller im Frühling zu sitzen und zu arbeiten pflegte. Sein Stübchen selbst befand sich auf der Rückseite des Hauses, und in das anstoßende Schlafkabinett führte eine rundbogige Thür. Heute noch enthält es sechs Stück, die zu seiner Zeit sich darin befanden: einen Lehnstuhl nämlich, einen auf einem gewundenen Fuße stehenden Tisch, an dem er arbeitete, ein hölzernes Tintenfass, zwei Bilder an der Wand und einen Ofen mit Messingverzierungen in Rokokogeschmack.

Den ganzen Dezember über kam er selten aus diesem Stübchen, wahrscheinlich nie aus dem verschneiten Dorfe heraus. Von den Bewohnern lernte er zu dieser Zeit nur wenige kennen, außer dem Verwalter und seinem nächsten Nachbar, Martin Flock, sowie dem Wirth zum braunen Roß, Debertshäuser, der ihm das Essen lieferte und gegen den er sich nur über das zu oft wiederkehrende [733] Sauerkraut beschwerte.
Darüber, „was hinter dem Fremden stecke“, zerbrachen sich allerdings die Leute im Dorfe und in der nächsten Umgegend vergebens die Köpfe. Die Wenigsten beruhigten sich bei der Mittheilung des Verwalters. Dr. Ritter sei ein naher Verwandter der Gutsherrschaft; die Meisten glaubten, er stamme aus Bayern, halte nicht viel auf Religion und habe deshalb sein Vaterland verlassen müssen. Dass er den ganzen Tag und meist bis tief in die Nacht hinein las oder schrieb, kam schnell unter den Neugierigen herum, und deshalb galt er allgemein für einen „gescheiten Ma“. Er hatte, wie er selbst in einem Briefe erklärte, „entsetzlich viel zu arbeiten“, denn er wollte so schnell als möglich sein drittes Stück, „Louise Millerin“, vollenden, wie „Kabale und Liebe“ anfänglich heißen sollte. Gleichwohl sah er auch sehnsüchtig und in aufgeregtester Spannung der zu Neujahr verheißenen Ankunft der Frau von Wolzogen mit deren einziger Tochter entgegen, welche letztere auf das immer sehr empfängliche Herz des Dichters schon in Stuttgart, wo er sie gesehen, tiefen Eindruck gemacht hatte, zumal er glaubte, auch er sei ihr nicht gleichgültig. Charlotte v. Wolzogen zählte damals sechszehn Jahre und war zwar nicht eigentlich schön, aber blühend frisch mit besonders lieblichem Ausdruck in den Zügen und anziehend durch Milde und Anspruchslosigkeit.

Mit Entzücken flog er ihnen entgegen, wie er sich selbst ausdrückt, und als sie bereits am 3. Januar nach Walldorf, zu dem Bruder der Frau v. Wolzogen, Dietrich Marschalk von Ostheim, weiter reisten, begleitete er sie, kehrte aber denselben Tag zurück, um am nächsten schon zu schreiben, dass er sie bald wieder besuchen werde. „Seit Ihrer Abwesenheit,“ sagte er in dem Briefe, „bin ich mir selbst gestohlen. Es geht uns mit großen lebhaften Entzückungen wie demjenigen, der lange in die Sonne gesehen: sie steht noch vor ihm, wenn er das Auge längst davon weggewandt. Er ist für jede geringeren Strahlen erblindet.“ Seine Beschützerin hatte ihn jedenfalls ersucht, ja recht sorgsam bedacht zu sein, dass man nicht erfahre, wer er sei, namentlich in Meiningen, wo man auf den seltsamen Fremden bereits aufmerksam geworden. Er versprach sofort Alles zu tun, was sie wünsche, um ihr keine Unannehmlichkeiten zu bereiten, und ging nicht nur bei seinen späteren Besuchen in Walldorf nicht durch Meiningen, das zwischen diesem Orte und Bauerbach liegt, sondern, ohne Rücksicht auf Weg und Wetter, gerade durch den Wald über Dreißigacker; er schrieb auch drei Briefe mit falscher Ortsangabe und falschen Nachrichten über sich und seine Pläne. Diese sollte Frau v. Wolzogen in Stuttgart im Notfalle vorlegen, um seine Verfolger über seinen Aufenthalt Irre zu führen.

Mehr aber als die Sorge um seine Sicherheit und um die Beruhigung seiner Beschützerin bewegte sein Herz die Leidenschaft der ersten Liebe zu Charlotte und – der Hass gegen die Adelsvorurteile, die seiner Verbindung mit dieser entgegenstanden, wie der Louisens mit Ferdinand in seiner „Millerin“, in welchem Stück er seinem Bürgerstolze, dem damals noch in ganzer Starrheit herrschenden Adelsstolze gegenüber, bereits leidenschaftlichen Ausdruck gegeben hatte. Er fand aber gerade in jenen Tagen noch eine Gelegenheit, sein Herz in Bezug darauf, und zwar selbst direkt gegen Frau von Wolzogen, zu erleichtern, und zwar in einem Gedicht, [734] das er auf die Bitte Charlottens zur Hochzeit ihrer Pflegeschwester Henriette schrieb. Die Mutter dieses Mädchens, die Frau des Feldscheerers Sturm aus Sangerhausen, war im Jahre 1752 ohne ihren Mann, ganz verlassen, nach Rohr bei Meiningen gekommen und da am 23. Juni von einer Tochter entbunden worden, welche Frau v. Wolzogen, damals noch Freifräulein Marschalk von Ostheim, aus der Taufe hob und später, der großen Not der Mutter wegen, ganz zu sich nahm und erziehen ließ. Am 3. Febr. 1783 nun wurde dieses Mädchen mit dem Verwalter Schmidt in Walldorf getraut, und Schiller schrieb für sie das lange „Hochzeitsgedicht“, das er leider in seine Werke nicht aufgenommen hat, was umso mehr zu bedauern ist, da man keine lyrischen Erzeugnisse von ihm gerade aus dieser Zeit hat. Darin feiert er nicht bloß die Liebe:




Wie schön ist doch das Band der Liebe,
Sie knüpft uns an das Weltgetriebe,
Auf ewig an den Schöpfer an.
Wenn Augen sich in Augen stehlen,
Mit Tränen Tränen sich vermählen,
Ist schon der süße Bund getan.

Man erkennt auch in anderer Weise darin den Dichter von „Kabale und Liebe“, z. B.:
Die Gartenlaube (1860) b 734.jpg

Gedenktafel am Schiller-Asyl in Bauerbach.

Wie mühsam sucht durch Rang und Ahnen
Die leidende Natur sich Bahnen;
Gefühl erstickt die Ziererei.
Oft drücken ja gleich Felsen bürden
Mit Seelenruh’ bezahlte Würden
Der Großen kleines Herz entzwei.

Dein Herz, das noch kein Neid getadelt.
Dein reines Herz hat dich geadelt,
Und Ehrfurcht zwingt die Tugend ab.
Ich fliege Pracht und Hof vorüber,
Bei einer Seele steh’ ich lieber,
Der die Empfindung Ahnen gab.

Dann unmittelbar in Bezug auf Frau v. Wolzogen:

Die Freundin, die dir Gott gegeben,
Ihr Adelsbrief ist – schönes Leben.
Den hatt’ ich, den sie mitgebracht.

Leider gingen die Worte des Dichters:

"So gehe denn zum Traualtare,
Die Liebe zeigt dir goldn'e Jahre,"

nicht in Erfüllung, denn Henriette hatte schwere Zeiten der Not und des Kummers zu ertragen. Ihr Mann verlor seine Stelle als Verwalter und starb, kümmerlich von einem kleinen Kramladen sich nährend, schon drei Jahre nach der Hochzeit. Ihr jüngerer, erst nach des Vaters Tode geborener Sohn, fiel Werbern in die Hände und konnte mit Mühe von einem dänischen Kriegsschiffe wieder losgekauft werden. Henriette selbst kam später, ganz verarmt, in das von den Herren von Marschalk gegründete Hospital und starb da am 3. Februar 1816.

In „Kabale und Liebe“ hat Schiller übrigens Manches benutzt, was während seines Aufenthaltes in Bauerbach in der Nähe vorging. So lernte er einen Kammerherrn von Stein in Nordheim kennen, der mit großem Aufwande lebte, sich gern „Fürst der Rhön“ nennen ließ und dem Kaiser das Grafendiplom mit der Bemerkung zurückgeschickt hatte, er wolle lieber ein alter Freiherr statt ein neuer Graf sein. Dieser Freiherr von Stein war Onkel und Vormund der beiden Schwestern Eleonore und Charlotte v. Marschalk-Ostheim. Beide verkuppelte er. Eleonore, ein junges blühendes Mädchen, musste zu Ende des Jahres 1782, obgleich sie noch um ihren Bruder Fritz trauerte, der in Göttingen im Duell gefallen war, den alten weimarischen Kammer-Präsidenten v. Kalb heiraten, denselben, von welchem Goethe sagte, er habe sich als Geschäftsmann mittelmäßig, als politischer Mensch schlecht und als Mensch abscheulich benommen. Die jüngere Schwester Charlotte, mit der Schiller später in ein sehr vertrautes Verhältnis treten sollte, gab der Vormund 1783 an einen Offizier v. Kalb. Welchen Eindruck solche Verkuppelung auf Schiller machte, sieht man daraus, dass er in seinem Stück Ferdinand ein Fräulein v. Ostheim antragen lässt, wenn wir auch nicht annehmen wollen, dass sein Hofmarschall v. Kalb den Namen von jenem Kammerpräsidenten erhielt. Selbst die Worte des Geigers Miller: „Der Leibschneider … das hat mir Gott eingeblasen – es kann mir nicht fehlen beim Herzog,“ sollen aus dem Leben genommen sein. Der Pfarrer Schmidt in Rohr nämlich hatte einen Bruder, der Leibschneider des Herzogs in Meiningen war. Wenn nun die Bauern in Rohr nicht gehorchen wollten, pflegte der Pfarrer zu sagen: „ich gehe zu meinem Bruder, dem Leibschneider. Es kann mir nicht fehlen beim Herzog.“ Diese Redensart war in der ganzen Umgegend fast sprichwörtlich geworden, und Schiller griff sie auf.

Die für ihn und seine Familie wichtigste Bekanntschaft war die des Bibliothekar Reinwald, welchen er am 13. Januar in Meiningen durch die Frau v. Wolzogen kennen lernte, die er dahin begleitet hatte. Reinwald war gerade noch einmal so alt als Schiller, ein Mann von Geist und vielen Kenntnissen, aber hypochondrisch und verbittert, weil er viele Jahre bei äußerst geringer Besoldung als Kanzlist hatte arbeiten müssen. Schiller schloss sich dem für alles Schöne und Gute leicht begeisterten Mann bald innig an, besprach sich mit ihm über allerlei Angelegenheiten, entdeckte ihm seinen wahren Namen und erhielt von ihm mancherlei Bücher, die ihm durch den strengen Winter leichter durchhalfen, namentlich solche, die er zu den Vorstudien für die neue dramatische Arbeit bedurfte, für welche er sich entschied, die Geschichte des Don Carlos. Die Hauptfolge aber, welche die Bekanntschaft der beiden Männer hatte, war die spätere Verheiratung Reinwald’s mit Schiller’s ältester Schwester Christophine. Reinwald lernte diese Schwester seines Freundes aus einem Briefe kennen, den sie an den Bruder geschrieben und in dem sie ihm in sehr verständiger Weise gute Lehren über Sparsamkeit etc. gegeben hatte. Auf Reinwald machte dieser Brief einen so tiefen Eindruck, dass er sich sofort hinsetzte und an das Mädchen in folgender Weise schrieb:

„Mademoiselle, ein besonderer Zufall macht mich so frei, an die Schwester meines Freundes diese Zeilen zu schreiben. Unter etlichen Papieren, die Herr Dr. Schiller nach einem Besuche bei mir hat liegen lassen, fand ich einen Brief von Ihnen. Es war wohl nicht bloß Sorglosigkeit daran Schuld, sondern auch Vertrauen, denn ich glaube, dass er mich liebt. Ich fand in diesem Briefe, den ich gelesen und nochmals gelesen und abgeschrieben habe, so viel reines Denken und so viel herzliche, besorgte Wohlmeinung gegen Ihren Herrn Bruder, dass ich mich gefreut habe und schäme mich nicht, jeden Gedanken, der mir zu seiner Ausbildung und Glückseligkeit einfällt, mit Ihnen zu teilen etc.“

Nach einiger Zeit machte Reinwald eine Reise nach Schwaben, suchte Schiller’s Eltern auf, sah Christophine und bot ihr seine Hand an, die das verständige Mädchen auch annahm.


Bild Quelle [1]








Literaturquelle: https://de.wikisource.org/wiki/Bilder_aus_dem_Leben_deutscher_Dichter (Stand: 22.09.2017)